Am Dienstag, 22. Oktober, brach plötzlich alles zusammen. Die Spannung, die mich fest zusammengehalten hatte, fiel ab, und ich zerfloss zu einer Pfütze. Auslöser war einerseits besonders schlimmer Bericht über ein Kind hier, den ich geschrieben hatte, und das plötzliche Auftauchen der Akteure in diesem Bericht, die das Geschehene real machten, und andererseits ein Riesenkrach zwischen zwei meiner Kollegen.
Ich konnte mich irgendwie durch den Nachmittag kämpfen, aber als ich am Abend die Haustür hinter mir geschlossen hatte, überwältigte mich eine Flut aufgestauter Gefühle, und ich ergab mich widerstandslos ihrer Wucht.
Auch am nächsten Tag ging es mir nicht viel besser, meine Kollegen dachten, ich sähe meiner Erkältung wegen so schrecklich aus und wollten mich ins Krankenhaus bringen. Das kam mir sehr gelegen, da ich ihnen so nichts erklären musste. Alleine Mercy schien zu bemerken, was wirklich los war, als sie den Kopf neben mich auf den Tisch legte, und sagte, ich sollte doch nachhause gehen und meine Augen ausrasten. Diesem Rat folgte ich und verbrachte den restlichen Mittwoch im Bett.
Als ich am nächsten Morgen nach 17 Stunden traumlosen Schlafes aufwachte, fühlte ich mich seltsam leer und leicht. Eine Erleichterung erfüllte meinen Körper und ein Lachen aus meinem Inneren rüttelte an meinem Brustkorb. Es war, als hätte sich in den zwei vergangenen Tagen sämtlicher Schmutz aus meinem Körper gewaschen. Es war ein komisches Gefühl, das ich noch nicht so zuordnen konnte.
Dann betrat ich das Social Workers Office und plötzlich überkam mich dieses Glücksgefühl, nicht dieses berauschende, übermannende, sondern jenes, welches sich langsam von der Mitte des Bauches ausbreitet und in den ganzen Körper gelangt, ihn ausfüllt und prickeln lässt. Dieses zufriedene, ruhige, etwas verhaltene und weniger dramatische Glücksgefühl, das sich auf längere Zeit einnisten will und nicht wie ein Sturm durch das Herz fegt, um es durcheinander zurückzulassen.
Ich war glücklich, und ich war da.
Ich war da, wo ich war, und zwar zu hundert Prozent.
Dieses Gefühl habe ich nun seit exakt vier Wochen und ich fühle mich ein wenig wie der kleine fette Buddha an meinem Hals. Es ist sehr schön. Ich erlebe mich hier sehr viel ausgeglichener als zuhause.
Und plötzlich konnte ich mir gar nicht mehr vorstellen, hier jemals wieder wegzugehen. Doch mehr als ich selbst bemerkte jeder in meiner Umgebung meinen Wandel. Ich hatte plötzlich meine Angst vor kenianischen männlichen Wesen abgelegt und bekam auch zu den alten Straßen"kindern" einen Draht. Meine Schüler schienen sich auf wundersame Art und Weise gewandelt zu haben, und zum ersten Mal sah ich sehr deutlich die Früchte meiner Arbeit. Hatten am Beginn drei von elf Kindern meine Tests bestanden, waren es nun nur mehr drei, die sie nicht bestanden. Und auch das Schüler-lehrer-Verhältnis hatte sich so weit stabilisiert, dass ich weit nicht mehr so streng sein musste. Ich genoss (und genieße) es, hier zu sein.
Dieser Blog war eigentlich über mein Auslandsjahr in Kenia. Jetzt muss er auch für anderes herhalten!
Dienstag, 12. November 2013
Montag, 11. November 2013
Umzug
Sonntagabend also eröffnete ich meinen Gasteltern, dass ich ausziehen möchte. Ich war ehrlich nervös und es kostete mich viele Worte, bevor ich auf den Punkt kommen konnte. Ich versuchte, ihnen meine Beweggründe so verständlich wie möglich zu machen, ließ den Hauptgrund, nämlich, dass ich mich mit dem Verhalten meines Gastvaters ganz und gar nicht wohlfühlte, jedoch außen vor. Mein Gatsvater sagte gar nichts, meine Gastmutter meinte, sie würde mich verstehen und hätte sich schon sowas in der Art gedacht, ich hätte nur früher etwas sagen können. (Dass ich schon ab und an darauf hingewiesen hatte, dass die beengte Situation und die komplett fehlende Privatsphäre eine Belastung für mich darstellten, hatte sie wohl vergessen, und ihre Standard-Antwort "Soon, God will open a way" war auch nicht sehr hilfreich gewesen). Das nächste, was sie beschäftigte, war, was wohl die Leute dazu sagen würden. Naja, im Endeffekt machten sie es mir nicht sehr schwer, nun wirklich raus zu wollen. Bis Mittwochabend, wo ich der kleinen Wohnung in Mwanzo, dem Viertel in Eldoret, in dem ich lebte, den Rücken kehrte, herrschte eine sehr unangenehme Stimmung, und ich war froh, als ich meine Koffer zur Tür hinausschob.
Am Dienstag hatten wir meine neue Wohnung geputzt und auf Vordermann gebracht, es war natürlich noch einiges zu tun, aber zum Schlafen reichte es schon. Meine neue Unterkunft war flächenmäßig genauso groß wie die Wohnung, die wir davor zu sechst bewohnt hatten. Die Wände meines neuen Heims sind hellgelb gestrichen, die Farbe der Bodens gleicht der rötlichen Erde, die im Westen Kenias oft vorzufinden ist. Fenster gibt es vier an der Zahl und sie sind groß und durchfluten den Raum mit Licht. Das Bad war einmal für fünf Mütter mit Kindern gedacht und ist dementsprechend groß, ich habe die Auswahl zwischen drei Toiletten und drei Duschen. Die Babybetten habe ich in den angrenzenden Raum gebracht, und aus den Betten habe ich mir ein Sofa, eine Kommode und einen Kleiderschrank, auf den man soagr Bügel hängen kann, gemacht. Ich habe einen Gaskocher, Geschirr und diverse Küchenutensilien gekauft und kann jetzt problemlos kochen. Ich habe meine erste eigene Wohnung, und zwar in Kenia. Wer kann das schon sagen hihi.
Ich fühlte mich auf jeden Fall auf Anhieb wohl.
Die ersten drei Tage versorgte mich Maggie in Ermangelung eines Wasserkochers und einer Thermoskanne morgens und abends mit Tee (mit Milch und uuuuuunendlich viel Zucker), die Abende verbrachten und verbringen wir oft redend auf den von der Sonne untertags aufgeheizten Stufen vor meinem Haus. Ich kann auch jeden Abend den Sonnenuntergang bewundern.
Das Wochenende schloss ich mich mehr oder weniger ins Haus ein. Das erste mal seit zehn Wochen war ich vollkommen alleine. Ich genoss die Stille und rastete mich aus. Montag hatten wir auch frei, da Mashujaa-Day war, der Tag, an dem Kenias Helden gefeiert werden. Zu Mittag zog es mich aber doch hinaus und ich ging zur den Mädchen, um den Nachmittag mit ihnen zu verbringen.
Am Dienstag war ich dann enorm glücklich, meine Arbeitskollegen wiederzusehen, vor allem Mercy, die in meiner ganzen Zeit hier einer der wichtigsten Menschen für mich geworden war. Auch Brenda hatte ich sehr vermisst.
Am Dienstag hatten wir meine neue Wohnung geputzt und auf Vordermann gebracht, es war natürlich noch einiges zu tun, aber zum Schlafen reichte es schon. Meine neue Unterkunft war flächenmäßig genauso groß wie die Wohnung, die wir davor zu sechst bewohnt hatten. Die Wände meines neuen Heims sind hellgelb gestrichen, die Farbe der Bodens gleicht der rötlichen Erde, die im Westen Kenias oft vorzufinden ist. Fenster gibt es vier an der Zahl und sie sind groß und durchfluten den Raum mit Licht. Das Bad war einmal für fünf Mütter mit Kindern gedacht und ist dementsprechend groß, ich habe die Auswahl zwischen drei Toiletten und drei Duschen. Die Babybetten habe ich in den angrenzenden Raum gebracht, und aus den Betten habe ich mir ein Sofa, eine Kommode und einen Kleiderschrank, auf den man soagr Bügel hängen kann, gemacht. Ich habe einen Gaskocher, Geschirr und diverse Küchenutensilien gekauft und kann jetzt problemlos kochen. Ich habe meine erste eigene Wohnung, und zwar in Kenia. Wer kann das schon sagen hihi.
Ich fühlte mich auf jeden Fall auf Anhieb wohl.
Die ersten drei Tage versorgte mich Maggie in Ermangelung eines Wasserkochers und einer Thermoskanne morgens und abends mit Tee (mit Milch und uuuuuunendlich viel Zucker), die Abende verbrachten und verbringen wir oft redend auf den von der Sonne untertags aufgeheizten Stufen vor meinem Haus. Ich kann auch jeden Abend den Sonnenuntergang bewundern.
Das Wochenende schloss ich mich mehr oder weniger ins Haus ein. Das erste mal seit zehn Wochen war ich vollkommen alleine. Ich genoss die Stille und rastete mich aus. Montag hatten wir auch frei, da Mashujaa-Day war, der Tag, an dem Kenias Helden gefeiert werden. Zu Mittag zog es mich aber doch hinaus und ich ging zur den Mädchen, um den Nachmittag mit ihnen zu verbringen.
Am Dienstag war ich dann enorm glücklich, meine Arbeitskollegen wiederzusehen, vor allem Mercy, die in meiner ganzen Zeit hier einer der wichtigsten Menschen für mich geworden war. Auch Brenda hatte ich sehr vermisst.
Konza
Einen Tag, bevor Konza losging, fuhr ich nach Nairobi und schlief bei Emma. Es war ein sehr netter Abend, an dem ich auch eine andere Volontärin kennenlernte.
Tags darauf, am 11. Okbtober, machten wir uns auf nach Konza, drei Stunden von Nairobi entfernt, wo sich ein Nationalpark befindet. Als wir den Eingang zum Gelände passierten, überkam mich eine plötzliche Ruhe, die ich bis dahin nicht gekannt hatte.
Später machte ich mir diese kurze Notiz:
"Erstmals bin ich richtig glücklich hier. Nicht diese verhaltene Freude, aber ein mich grinsend machendes Glücksgefühl hat sich eingestellt. Nächste Woche werde ich umziehen."
Und tatsächlich konnte ich diesen Tag in seiner ganzen Schönheit genießen. Wir kamen am Zeltplatz an und hatten ein vorzügliches Abendessen. Später hatten ein paar von uns ein nettes Gespräch mit dem Führer im Revier endete schließlich in einem mitternächtlichen Ausflug in den Busch. Das war unheimlich cool, wir hatten diesen starken Scheinwerfer, mit dem wir nach Giraffen, Hyänen und Bushbabies Ausschau hielten. Wir sahen Zebras, Gnus, Giraffen, Affen und Bushbabies, die Hyänen fanden wir leider nicht. Die Luft war frisch und feucht, der Sternenhimmel schien sich unter der Last seiner Beleuchtung zu biegen, es schien, als bräcuhte man nur die Hand auszustrecken, um einen der gelb funkelnden Diamanten herunterzuholen.
Es gitb hier so viele Kleinigkeiten, Unterschiede, die bei näherer Überlegung sehr logisch sind, auf deren Existenz man wenn nicht durch Beobachtung aber niemals kommen würde. Eine davon ist der Mond. Die Sichel steht hier nicht, sie liegt oder hängt wie ein Fallschirm am Himmel.
Am nächsten Morgen stand ich sehr früh auf, um den Sonnenaufgang bewundern zu können. Danach streiften wir mit unserem Guide zu Fuß ein wenig durch die Umgebung und trafen Zebras und Gnus. Es war echt heiß verglichen mit Eldoret, das Klima wechselt von Ort zu Ort recht schnell. Zu Mittag machten wir uns auf eine Art Safiri, mit dem Reisebus quer durch den Busch, das war ein witziges Unterfangen. Wir sind sogar einen Berg damit raufgefahren. Dass das möglich ist, hätte ich mich davor nicht zu träumen gewagt und selbst während der Fahrt zweifelte ich noch an der Wirklichkeit dieser Aktion. Den ganzen Tagesausflug über hatten wir Blick auf die wunderschöne Steppenlandschaft des Nationalparks. Wir sahen wiederum Giraffen, Strauße, Zebras, Gazellen, Gnus und Antilopen. Es wirkte ein wenig unwirklich.
Die Sonne und die Hitze hatten mich so müde gemacht, dass ich am Abend sehr früh zu Bett ging, dafür am nächsten Morgen nochmals verfolgen konnte, wie die Sonnenstraheln zuerst den Horizont indigo, dann rosa und orange färbten, wie sie neckisch die Wolkenenden kitzelten und wie der gelbe Ball schließlich langsam und doch so schnell über die Zacken der Berge ringsum stieg.
In der Nacht hatte ich das heimtückische Lachen der Hyänen gehört, die sich in der Nähe unseres Lager umhertrieben, was irgendwie erst so richtig unterstrich, dass wir uns in einem Nationalpark befanden.
Am nächsten Tag hatten ein paar von und dann noch die Chance, sich einer Gruppe Giraffen auf einiger Meter zu nähern, was irgendwie total verrückt war.
Der Ausflug war schön und angenehm, aber mit seinem Ende rückte auch das Gespräch mit meinen Gatseltern näher, das ich ein wenig fürchtete.
Als ih Sonntagabend heimkam, sah ich jedoch, dass es für mich kein Zusatend mehr war, noch viel mehr Zeit dort zu verbringen, und fasste mir ein Herz.
Tags darauf, am 11. Okbtober, machten wir uns auf nach Konza, drei Stunden von Nairobi entfernt, wo sich ein Nationalpark befindet. Als wir den Eingang zum Gelände passierten, überkam mich eine plötzliche Ruhe, die ich bis dahin nicht gekannt hatte.
Später machte ich mir diese kurze Notiz:
"Erstmals bin ich richtig glücklich hier. Nicht diese verhaltene Freude, aber ein mich grinsend machendes Glücksgefühl hat sich eingestellt. Nächste Woche werde ich umziehen."
Und tatsächlich konnte ich diesen Tag in seiner ganzen Schönheit genießen. Wir kamen am Zeltplatz an und hatten ein vorzügliches Abendessen. Später hatten ein paar von uns ein nettes Gespräch mit dem Führer im Revier endete schließlich in einem mitternächtlichen Ausflug in den Busch. Das war unheimlich cool, wir hatten diesen starken Scheinwerfer, mit dem wir nach Giraffen, Hyänen und Bushbabies Ausschau hielten. Wir sahen Zebras, Gnus, Giraffen, Affen und Bushbabies, die Hyänen fanden wir leider nicht. Die Luft war frisch und feucht, der Sternenhimmel schien sich unter der Last seiner Beleuchtung zu biegen, es schien, als bräcuhte man nur die Hand auszustrecken, um einen der gelb funkelnden Diamanten herunterzuholen.
Es gitb hier so viele Kleinigkeiten, Unterschiede, die bei näherer Überlegung sehr logisch sind, auf deren Existenz man wenn nicht durch Beobachtung aber niemals kommen würde. Eine davon ist der Mond. Die Sichel steht hier nicht, sie liegt oder hängt wie ein Fallschirm am Himmel.
Am nächsten Morgen stand ich sehr früh auf, um den Sonnenaufgang bewundern zu können. Danach streiften wir mit unserem Guide zu Fuß ein wenig durch die Umgebung und trafen Zebras und Gnus. Es war echt heiß verglichen mit Eldoret, das Klima wechselt von Ort zu Ort recht schnell. Zu Mittag machten wir uns auf eine Art Safiri, mit dem Reisebus quer durch den Busch, das war ein witziges Unterfangen. Wir sind sogar einen Berg damit raufgefahren. Dass das möglich ist, hätte ich mich davor nicht zu träumen gewagt und selbst während der Fahrt zweifelte ich noch an der Wirklichkeit dieser Aktion. Den ganzen Tagesausflug über hatten wir Blick auf die wunderschöne Steppenlandschaft des Nationalparks. Wir sahen wiederum Giraffen, Strauße, Zebras, Gazellen, Gnus und Antilopen. Es wirkte ein wenig unwirklich.
Die Sonne und die Hitze hatten mich so müde gemacht, dass ich am Abend sehr früh zu Bett ging, dafür am nächsten Morgen nochmals verfolgen konnte, wie die Sonnenstraheln zuerst den Horizont indigo, dann rosa und orange färbten, wie sie neckisch die Wolkenenden kitzelten und wie der gelbe Ball schließlich langsam und doch so schnell über die Zacken der Berge ringsum stieg.
In der Nacht hatte ich das heimtückische Lachen der Hyänen gehört, die sich in der Nähe unseres Lager umhertrieben, was irgendwie erst so richtig unterstrich, dass wir uns in einem Nationalpark befanden.
Am nächsten Tag hatten ein paar von und dann noch die Chance, sich einer Gruppe Giraffen auf einiger Meter zu nähern, was irgendwie total verrückt war.
Der Ausflug war schön und angenehm, aber mit seinem Ende rückte auch das Gespräch mit meinen Gatseltern näher, das ich ein wenig fürchtete.
Als ih Sonntagabend heimkam, sah ich jedoch, dass es für mich kein Zusatend mehr war, noch viel mehr Zeit dort zu verbringen, und fasste mir ein Herz.
Sonntag, 10. November 2013
Bröckeln
Als ich von Migori heimkam, merkte ich schon, wie die kleine Blase, in die ich mich zurückgezogen und mir eine schöne Welt eigeredet hatte, plötzlich kleine Löcher bekam. Der Schutzwall begann zu bröckeln. Hatte ich bis jetzt der Tragik der verschiedenen Schicksale meiner Kinder im Rescue Centre tapfer standgehalten, begannen dei Geschichten nun richtig an mir zu nagen. Ich fühlte mich nicht gut. Ich war traurig, zu hören, was Kinder in einem solchen Alter schon durchmachen mussten und es belastete mich sehr. Das erste Mal seit meiner Ankunft fühlte ich mich etwas alleine und vermisste meine Feunde zuhause so richtig heftig. Mir fehlten die Gespräche, in denen man nicht pausenlos erklären muss, weil die Leute wissen, was man sagen will. Mir fehlten die Ratschläge und die Nähe. Ich hatte schon Freunde hier, aber ein gegenseitiges Verständnis auf dieser tieferen Ebene entwickelt sich nicht von heute auf morgen, und der kulturelle Unterschied verkomplizierte Mensches noch zusätzlich. Auch bemerkte ich, dass meine Intentionen mit denen einiger andere Volontäre ziemlich auseinandergingen. So konnte ich mich bei den einen noch nicht, bei den anderen wollte ich mich nicht öffnen. Ich war genervt und wütend. Die Gefühle summierten sich und drückten immer stärker gegen die Mauer, die mich schützend vor negativen Emotionen umgab.
Das veranlasste mich zum letzten nötigen Schritt, aus diesem Teufelskreis der Unterdrückung von Gefühlen und Erschöpfung auszubrechen, und fragte June, die Direktorin im Projekt, ob ich nicht im Projekt wohnen könne. Die Antwort war ein so selbstverständliches "Ja sicher!", dass ich mich fragte, was mich so lange zögern hatte lassen.
Ich hatte lange gebraucht, mich zu dieser Frage durchzuringen und so fiel mir nicht nur ein Stein, aber ein ganzer Berg vom Herzen und es fühlte sich an, als würde eine riesige Last von meinen Schultern genommen.
Nach dem kleinen Tief am Montag hatte ich mich Tags darauf auch meinen Mitarbeitern anvertraut und die Unterstützung und Zustimmung bekommen, die ich gebraucht hatte, um mich zu diesem Schritt durchzuringen. Ich fühlte mich sicher und geborgen in ihrer Gegenwart.
So also war jetzt alles ausgemacht, ich könnte ausziehen und für mich alleine wohnen, im Projekt, mit Menschen, die schon da viel mehr Familie für mich waren als meine Gastfamilie.
Und, als wollte mein Kopf einfach nicht glücklich sein, ging's mir dann auf einmal viel zu schnell und ich fragte mich, ob ich nicht überreagiert hätte. Als ich an diesem Abend heimkam, fand ich alles plötzlich gar nicht mehr so schlimm, eigentlich war es doch ganz nett.
Ich begann, an meinem Entschluss zu zweifeln, bekam ein wenig kalte Füße. So machte ich den endgültigen Auszug abhängig vom Verlauf der nächsten Tage. Ich wa sehr genervt von mir selber, da mir offensichtlich nichts recht war. Und ich hatte ein schlechtes Gewissen meiner Gatsfamilie gegenüber. Ich war einfach gesagt ziemlich scheiße drauf. Aber das Wochenende war im Anmarsch und ich freute mich darauf, Emma zu sehen, da ein gemeinsamer Ausflug mit ICYE nach Konza in den Nationalpark übers Wochenende geplant war.
Das veranlasste mich zum letzten nötigen Schritt, aus diesem Teufelskreis der Unterdrückung von Gefühlen und Erschöpfung auszubrechen, und fragte June, die Direktorin im Projekt, ob ich nicht im Projekt wohnen könne. Die Antwort war ein so selbstverständliches "Ja sicher!", dass ich mich fragte, was mich so lange zögern hatte lassen.
Ich hatte lange gebraucht, mich zu dieser Frage durchzuringen und so fiel mir nicht nur ein Stein, aber ein ganzer Berg vom Herzen und es fühlte sich an, als würde eine riesige Last von meinen Schultern genommen.
Nach dem kleinen Tief am Montag hatte ich mich Tags darauf auch meinen Mitarbeitern anvertraut und die Unterstützung und Zustimmung bekommen, die ich gebraucht hatte, um mich zu diesem Schritt durchzuringen. Ich fühlte mich sicher und geborgen in ihrer Gegenwart.
So also war jetzt alles ausgemacht, ich könnte ausziehen und für mich alleine wohnen, im Projekt, mit Menschen, die schon da viel mehr Familie für mich waren als meine Gastfamilie.
Und, als wollte mein Kopf einfach nicht glücklich sein, ging's mir dann auf einmal viel zu schnell und ich fragte mich, ob ich nicht überreagiert hätte. Als ich an diesem Abend heimkam, fand ich alles plötzlich gar nicht mehr so schlimm, eigentlich war es doch ganz nett.
Ich begann, an meinem Entschluss zu zweifeln, bekam ein wenig kalte Füße. So machte ich den endgültigen Auszug abhängig vom Verlauf der nächsten Tage. Ich wa sehr genervt von mir selber, da mir offensichtlich nichts recht war. Und ich hatte ein schlechtes Gewissen meiner Gatsfamilie gegenüber. Ich war einfach gesagt ziemlich scheiße drauf. Aber das Wochenende war im Anmarsch und ich freute mich darauf, Emma zu sehen, da ein gemeinsamer Ausflug mit ICYE nach Konza in den Nationalpark übers Wochenende geplant war.
Migori
Am 3. Oktober fuhr ich nach Mirgori, um Finn, einen Volontär aus Deutschland, zu besuchen. Der Weg führte mich durch das Great Rift Valley über Kisii, wo ich umsteigen musste, bis ich nach sechs Stunden schlußendlich in Migori ankam.
Die Fahrt war durchaus interessant und bot einen atemberaubenden Blick auf den großen Ostafrikanischen Grabenbruch, der ganz Kenia von Nord nach Süd durchzieht. So führte mich die Reise vorbei an sanften, grünen Hügeln mit unheimlich viel Grün und den typischen kleinen Strohhütten , schroffen Felswänden, riesigen Reisfeldern und noch größeren Teeplantagen, die den in jedem kenianischen Haushalt verfügbaren Schwarztee liefern. Denkt man an Afrika, hat man doch eher trockene, staubige Straßen mit dürrer Vegetation im Kopf, und keine saftig bewachsenen grünen Hügel mit Palmen und einer Vielzahl an anderen Bäumen. Hätte mir jemand Bilder vom Rift Valley gezeigt, und gesagt, das wäre wo in Südamerika, hätte ich es aufs Wort geglaubt.
Kenia hat so viele verschiedene Gesichter. Kenia kann trocken und menschenfeindlich, humid und fruchtbar sein. Kenia kann verdreckte Slums mit meterhohen Müllhaufen und grausigem Elend, oder saubere, strukturierte, eier westlichen Großstadt in nichts nachkommende Reichenviertel in Nairobi heißen. Kenia ist eine Nation und doch so zerrissen durch die Vielzahl an verschiedenen Stämmen, die sich immer wieder bekriegen. Kenia ist totale Gläubigkeit, Keuschheit und jeden Sonntag fünf Stunden in der Kircher verbringen, Kenia ist Kinderprostitution und häusliche Gewalt, Vergewaltigung der eigenen Kinder oder unschuldiger junger Frauen auf dem Nachhauseweg. Kenia ist kein Sex vor der Ehe und haufenweise Mütter im Teenageralter.
Ich selber wohne nahe dem Vergnügungsviertel Eldorets, wo sich Männer am Abend mit dem selbstgebrauten Fusel betrinken um dann für zwischen 50Cent und 5Euro mit einer Prostituierten auf mit Kartons ausgelegten Böden in heruntergekommenen Hütten ein leidenschaftsloses Geschäft abzuwickeln, von dem sie Befriedigung zu erlangen glauben. Das passiert natürlich meist ohne Kondom, da dieses nur stört. "Using a condom just makes it less sweet.", so wurde mir das von einem jungen Mann erklärt, den ich darauf angesprochen habe. Die Aktion des Chief Residents, jeden Abend eine Box Kondome im Zentrum des Viertels zu platzieren, scheint dennoch zumindest einen geringen Einfluss zu haben, denn jeden Morgen ist diese Box leer.
Aber nun bin ich sehr weit vom eigentlichen Thema abgeschweift. Migori also.
Auf der Fahrt nach Mirgori hatte ich eine sehr nette Unterhaltung mit einer jungen Frau namens Kate, und was mit am meisten an ihr gefallne hat, war die Tatsache, dass sie, als wir uns verabschiedet haben, gar nicht nach meiner Nummer gefragt hat, was hier sonst immer jeder sofort tut.
Am Donnerstag traf ich Finn und Lukas, ich war froh, aus Eldoret und der bedrückenden Umgebung draußen zu sein. Finn arbeitet in einem Waisenheim und teilte sich zum Zeitpunkt meines Besuchs eine kleine -man könnte es fast Wohnung nennen- mit einer Volontärin, die im Jänner ihr Jahr vorüber hat. Ich hab mich etwas leidgesehen an der Wohnsituation, habe aber auch einfach die Tage, die ich dort war, genossen. Und ich wurde generell immer besser darin, mich ehrlich und aufrichtig und zu 100% für anderer Menschen Glück zu freuen, auch wenn es mir selber vielleicht nicht so gut ging. Hatte mir daheim vielleicht doch immer der Neid einen kleinen heißen Stich versetzt, wenn jemand etwas hatte, was ich mir selber so sehr wünschte, war er hier plötzlich verschwunden oder trübte zumindest nicht die Freude für jemand anderen.
Die Tage waren sehr nett und ich genoss sowohl Migori als auch Stella, das Dorf, in dem Finn lebt. Es ist sehr grün dort, wie Eldoret auch, aber irgendwie anders. Es ist hügeliger und es gibt mehr Wald. Eldoret soll vor 50 Jahren auch noch fast ausschließlich Wald gewesen sein, den Erzählungen der Köchin im Rescue Centre zufolge, was kaum vorstellbar ist. Mittlerweile würde ich Eldoret als Industriestadt bezeichnen.
Die Spannung, die mich irgendwie noch zusammenhielt, zeichnete sich wohl in meinem Gesicht, und ich konnte die menschen, die ich traf, das ganze Wochenende über nicht überzeugen, dass es mir gefiel.
In Migori fuhr ich das erste Mal zu viert (Fahrer plus drei Passagiere) mit einem Pikipiki (Motorrad), da wurde mir bei den kleinen Erhebungen, die hier überall auf den Straßen sind, um die Autos zu zwingen, langsamer zu fahren, schon etwas mulmig zumute.
Der Gedanke, auszuziehen aus meiner Gastfamilie, würde immer drängender und klopfte mir pausenlos gegen die Stirn. Ich beschloss, nun wirklich etwas zu unternehmen.
Die Heimfahrt war sehr abenteuerlich, ich erwischte ein Matatu anstelle eines Shuttles, was soviel heißt wie man bleibt alle 10 Minuten stehen, um neue Leute auf der Straße aufzupicken. So waren wir am passagiermäßigen Höhepunkt 26 Leute in einem Kleinbus für 14 Personen. Die zwei Platten, die wir dann noch hatten, machten die eigentlich sechsstündige Heimfahrt zu einer neunstündigen Odyssee, die mich wohl sehr genervt hätte, wäre ich schlecht gelaunt gewesen. So aber genoss ich mit einem zufriedenen Lächeln auf dem Gesicht die Eigenheiten und Charakteristika des afrikanischen Lebens.
Die Fahrt war durchaus interessant und bot einen atemberaubenden Blick auf den großen Ostafrikanischen Grabenbruch, der ganz Kenia von Nord nach Süd durchzieht. So führte mich die Reise vorbei an sanften, grünen Hügeln mit unheimlich viel Grün und den typischen kleinen Strohhütten , schroffen Felswänden, riesigen Reisfeldern und noch größeren Teeplantagen, die den in jedem kenianischen Haushalt verfügbaren Schwarztee liefern. Denkt man an Afrika, hat man doch eher trockene, staubige Straßen mit dürrer Vegetation im Kopf, und keine saftig bewachsenen grünen Hügel mit Palmen und einer Vielzahl an anderen Bäumen. Hätte mir jemand Bilder vom Rift Valley gezeigt, und gesagt, das wäre wo in Südamerika, hätte ich es aufs Wort geglaubt.
Kenia hat so viele verschiedene Gesichter. Kenia kann trocken und menschenfeindlich, humid und fruchtbar sein. Kenia kann verdreckte Slums mit meterhohen Müllhaufen und grausigem Elend, oder saubere, strukturierte, eier westlichen Großstadt in nichts nachkommende Reichenviertel in Nairobi heißen. Kenia ist eine Nation und doch so zerrissen durch die Vielzahl an verschiedenen Stämmen, die sich immer wieder bekriegen. Kenia ist totale Gläubigkeit, Keuschheit und jeden Sonntag fünf Stunden in der Kircher verbringen, Kenia ist Kinderprostitution und häusliche Gewalt, Vergewaltigung der eigenen Kinder oder unschuldiger junger Frauen auf dem Nachhauseweg. Kenia ist kein Sex vor der Ehe und haufenweise Mütter im Teenageralter.
Ich selber wohne nahe dem Vergnügungsviertel Eldorets, wo sich Männer am Abend mit dem selbstgebrauten Fusel betrinken um dann für zwischen 50Cent und 5Euro mit einer Prostituierten auf mit Kartons ausgelegten Böden in heruntergekommenen Hütten ein leidenschaftsloses Geschäft abzuwickeln, von dem sie Befriedigung zu erlangen glauben. Das passiert natürlich meist ohne Kondom, da dieses nur stört. "Using a condom just makes it less sweet.", so wurde mir das von einem jungen Mann erklärt, den ich darauf angesprochen habe. Die Aktion des Chief Residents, jeden Abend eine Box Kondome im Zentrum des Viertels zu platzieren, scheint dennoch zumindest einen geringen Einfluss zu haben, denn jeden Morgen ist diese Box leer.
Aber nun bin ich sehr weit vom eigentlichen Thema abgeschweift. Migori also.
Auf der Fahrt nach Mirgori hatte ich eine sehr nette Unterhaltung mit einer jungen Frau namens Kate, und was mit am meisten an ihr gefallne hat, war die Tatsache, dass sie, als wir uns verabschiedet haben, gar nicht nach meiner Nummer gefragt hat, was hier sonst immer jeder sofort tut.
Am Donnerstag traf ich Finn und Lukas, ich war froh, aus Eldoret und der bedrückenden Umgebung draußen zu sein. Finn arbeitet in einem Waisenheim und teilte sich zum Zeitpunkt meines Besuchs eine kleine -man könnte es fast Wohnung nennen- mit einer Volontärin, die im Jänner ihr Jahr vorüber hat. Ich hab mich etwas leidgesehen an der Wohnsituation, habe aber auch einfach die Tage, die ich dort war, genossen. Und ich wurde generell immer besser darin, mich ehrlich und aufrichtig und zu 100% für anderer Menschen Glück zu freuen, auch wenn es mir selber vielleicht nicht so gut ging. Hatte mir daheim vielleicht doch immer der Neid einen kleinen heißen Stich versetzt, wenn jemand etwas hatte, was ich mir selber so sehr wünschte, war er hier plötzlich verschwunden oder trübte zumindest nicht die Freude für jemand anderen.
Die Tage waren sehr nett und ich genoss sowohl Migori als auch Stella, das Dorf, in dem Finn lebt. Es ist sehr grün dort, wie Eldoret auch, aber irgendwie anders. Es ist hügeliger und es gibt mehr Wald. Eldoret soll vor 50 Jahren auch noch fast ausschließlich Wald gewesen sein, den Erzählungen der Köchin im Rescue Centre zufolge, was kaum vorstellbar ist. Mittlerweile würde ich Eldoret als Industriestadt bezeichnen.
Die Spannung, die mich irgendwie noch zusammenhielt, zeichnete sich wohl in meinem Gesicht, und ich konnte die menschen, die ich traf, das ganze Wochenende über nicht überzeugen, dass es mir gefiel.
In Migori fuhr ich das erste Mal zu viert (Fahrer plus drei Passagiere) mit einem Pikipiki (Motorrad), da wurde mir bei den kleinen Erhebungen, die hier überall auf den Straßen sind, um die Autos zu zwingen, langsamer zu fahren, schon etwas mulmig zumute.
Der Gedanke, auszuziehen aus meiner Gastfamilie, würde immer drängender und klopfte mir pausenlos gegen die Stirn. Ich beschloss, nun wirklich etwas zu unternehmen.
Die Heimfahrt war sehr abenteuerlich, ich erwischte ein Matatu anstelle eines Shuttles, was soviel heißt wie man bleibt alle 10 Minuten stehen, um neue Leute auf der Straße aufzupicken. So waren wir am passagiermäßigen Höhepunkt 26 Leute in einem Kleinbus für 14 Personen. Die zwei Platten, die wir dann noch hatten, machten die eigentlich sechsstündige Heimfahrt zu einer neunstündigen Odyssee, die mich wohl sehr genervt hätte, wäre ich schlecht gelaunt gewesen. So aber genoss ich mit einem zufriedenen Lächeln auf dem Gesicht die Eigenheiten und Charakteristika des afrikanischen Lebens.
Dienstag, 5. November 2013
Erkenntnisse
Am Samstag, 28. September, übernachtete ich das erste Mal im Rescue Centre.
Diesen Tag könnte man als Wendepunkt betrachten, wurde mir an diesem Tag das erste Mal selber meine enorme Unausgeglichenheit bewusst. Kleinigkeiten warfen mich völlig aus der Bahn und ich verlor schnell die Contenance.
Schon in den Wochen zuvor hatten sich meine Mitarbeiter ab und zu besorgt geäußert, ob es mir denn uach gut ginge, ich sähe so müde und abgespannt aus. Bis zu besagtem Samstag hatte ich diese Frage als übertriebene Fürsorge empfunden. Ich wollte die Herausforderung meiner etwas problematischen Familiensituation auf jeden Fall meistern und mich nicht wie ein verwöhntes Mädchen über jede kleine Unannehmlichkeit beschweren. Das hatte zur Folge, dass ich langsam in diese Situation hineinrutschte, und die Belastung zwar langsam aber kontinuierlich wuchs, und gar nicht merkte, wie die Luft immer dünner wurde. Nun aber wurde mir der Sauerstoff zu knapp. Und diese Idee, dass ich doch eigentlich auch im Rescue Centre leben könnte, schlug ihre zarten Wurzeln in meinem Gehirn.
In der Arbeit angekommen, war meine Unruhe wieder verflogen, wie immer, wenn ich die Kinder sah, und ich war glücklich. Wir verbrachten den Abend mit gemeinsamem Tanzen und Filme schauen (eine DVD mit zehn Filmen kann man hier für 100Shilling erwerben). Ich genoss den Abend sehr.
Die Kinde hier im Rescue Centre sind eine große Familie. Ich war und bin immer wieder gerührt von der Fürsorglichkeit, mit der man sich umeinander kümmert. Es ist immer jemand da, der nach den Kleinen sieht und ihnen die Nase putzt, die Kleidung zurechtzupft oder sie einfach auf den Schoß nimmt. Auch ich bekomme, wenn ich abends noch bei den Mädchen bin und es etwas kühler wird, sofort eine Fleecejacke über die Schultern gelegt. Als ich dort übernachtete und im Schlaf aus dem Schlafsack gerutsch war, wurde ich sofort wieder ordnungsgemäß zugedeckt und eingepackt. Das sind die kleinen Momente, die meinen Bauch mit diesem warmen Gefühl durchfluten. An diesem Samstag wurde mir auch klar, wer wirklich meine Familie hier ist.
Diesen Tag könnte man als Wendepunkt betrachten, wurde mir an diesem Tag das erste Mal selber meine enorme Unausgeglichenheit bewusst. Kleinigkeiten warfen mich völlig aus der Bahn und ich verlor schnell die Contenance.
Schon in den Wochen zuvor hatten sich meine Mitarbeiter ab und zu besorgt geäußert, ob es mir denn uach gut ginge, ich sähe so müde und abgespannt aus. Bis zu besagtem Samstag hatte ich diese Frage als übertriebene Fürsorge empfunden. Ich wollte die Herausforderung meiner etwas problematischen Familiensituation auf jeden Fall meistern und mich nicht wie ein verwöhntes Mädchen über jede kleine Unannehmlichkeit beschweren. Das hatte zur Folge, dass ich langsam in diese Situation hineinrutschte, und die Belastung zwar langsam aber kontinuierlich wuchs, und gar nicht merkte, wie die Luft immer dünner wurde. Nun aber wurde mir der Sauerstoff zu knapp. Und diese Idee, dass ich doch eigentlich auch im Rescue Centre leben könnte, schlug ihre zarten Wurzeln in meinem Gehirn.
In der Arbeit angekommen, war meine Unruhe wieder verflogen, wie immer, wenn ich die Kinder sah, und ich war glücklich. Wir verbrachten den Abend mit gemeinsamem Tanzen und Filme schauen (eine DVD mit zehn Filmen kann man hier für 100Shilling erwerben). Ich genoss den Abend sehr.
Die Kinde hier im Rescue Centre sind eine große Familie. Ich war und bin immer wieder gerührt von der Fürsorglichkeit, mit der man sich umeinander kümmert. Es ist immer jemand da, der nach den Kleinen sieht und ihnen die Nase putzt, die Kleidung zurechtzupft oder sie einfach auf den Schoß nimmt. Auch ich bekomme, wenn ich abends noch bei den Mädchen bin und es etwas kühler wird, sofort eine Fleecejacke über die Schultern gelegt. Als ich dort übernachtete und im Schlaf aus dem Schlafsack gerutsch war, wurde ich sofort wieder ordnungsgemäß zugedeckt und eingepackt. Das sind die kleinen Momente, die meinen Bauch mit diesem warmen Gefühl durchfluten. An diesem Samstag wurde mir auch klar, wer wirklich meine Familie hier ist.
Alltag
Als ich von Nairobi heimkam, war es schon dunkel, und nach der angenehmen Anonymität in Nairobi machte mir die geballte Aufmerksamkeit, die mir entgegengebracht wurde, etwas Angst. So war ich sehr froh, als mich mein Gastvater abholte.
Ich hatte in Nairobi Energie geschöpft und war ein wenig ausgeglichener, aber nach ein paar Stunden in der gewohnten Umgebung befiel mich wieder diese gewisse Beklommenheit, die ich immerzu verspürte, sobald ich die kleine Wohnung betrat.
Ich freute mich schon riesig auf die Arbeit am nächsten Tag und hoffte, die Nacht möge schnell vorübergehen.
Kaum das Rescue Centre betreten, stieg eine unheimliche Freude in mir auf und meine Kollegen waren überrascht, mich so aufgedreht zu erleben. Ich war bis dahin eigentlich eher ruhig gewesen und im Hintergrund geblieben.
Dass ich einmal als ruhig und zurückhaltend beschrieben werde, hätte ich mir vor Kenia nicht gedacht. Hier aber war ich aufgrund der vielen neuen Eindrücke permanent mit Schauen und Hören und Überlegen und Verarbeiten beschäftigt. Ich war auch in einer völlig neuen Gesellschaft gelandet, hier hatte nicht ich mir die Leute ausgesucht, mit denen ich etwas mache, und so war ich am Beginn eher verschlossen, da ich nicht wusste, ob und welche dieser Menschen vertrauenswürdig wären. Ich konnte auch an den Gesprächen oft nicht teilnehmen, da meine Kiswahilikenntnisse nicht ausreichend waren, und so schweifte ich oft ab und ließ mich von meinen Gedanken treiben, sobald eine hitzige Diskussion über Politik oder Sekten (die zwei Lieblingsthemen meiner Kollegen) entbrannte. Schnell aber erkannte ich die unglaubliche Gastfreundschaft dieser Menschen und hatte bald meine diversen "Mamis" unter den Sozialarbeiterinnen. So taute ich nach einiger Zeit auf und habe mittlerweile unheimlich gute Freundschaften geschlossen. Auch mit dem Kiswahili wird's immer besser, ich verstehe schon den Großteil der Dinge, die mit mir geredet werden, das Antworten klappt noch nicht so ganz, aber es wird.
Die Woche verging schnell und ohne große Zwischenfälle. Ich fühlte mich nun sicherer im Unterrichten und wusste über den Stand meiner Schüler Bescheid. Ich wurde strenger im Unterricht, da mich die Kinder oft zur Weißglut trieben. Sie hatten erkannt, dass ich ihnen wohl mehr durchgehen lassen würde, als die anderen Lehrer und waren fleißig daran, ihre Grenzen auszutesten, wie Kinder das nun mal so machen. Ordentlich auf den Tisch zu hauen hatte meistens aber eine erstaunlich große Wirkung. Es war verständlicherweise am Beginn nicht so einfach für meine Schüler, zu verstehen, dass ich am Vormittag Disziplin fordernder Lehrer und am Nachmittag blödelnder Spielkamerad bin.
Am Wochenende (19. - 22. September) kam mich Irene besuchen. Wir verbrachten ein paar echt tolle Tage zusammen. Angesteckt von ihrer Begeisterung von Eldoret fing auch ich an, die Stadt viel netter und liebenswürdiger zu finden.
Ich hatte bis dato immer nur kleine Ausflüge in Richtung Stadt gemacht, da meine Gasteltern, wann immer ich etwas brauchte, darauf bestanden, mich mit dem Auto dorthin zu bringen. Oft machte ich mich daher nach der Arbeit noch auf, meine Umgebung etwas zu erkunden, ich kam aber nie recht weit, da ich immer zu Fuß ging und es um 19 Uhr stockfinster ist hier. Die Matatus (Kleinbusse für theoretisch 14 und praktisch 24 Personen - die Afrikaner vollbringen immer wieder kleine Menschenstapel-Wunder) waren mir zu dieser Zeit noch nicht ganz geheuer.
Jetzt aber kam Irene und ich wollte ihr natürlich die Stadt zeigen können, also fasste ich mir ein Herz, und stürzte mich raus aus einem Matatu, das ich mit einem etwas mulmigen Gefühl bestiegen hatte, mitten ins Stadtgetümmel. Schnell wurde mir klar, dass die Orientierung in der Stadt eigentlich sehr einfach ist, und entdeckte viele nette kleine Läden.
Die Woche danach ist in meinen Erinnerungen irgendwie verlorengegangen, sie verging viel zu schnell. Generell erlebte ich immer wieder kleine Erfolge in der Schule und mit den Kindern, ich war nun voll eingebunden in meine Arbeit.
Ich hatte in Nairobi Energie geschöpft und war ein wenig ausgeglichener, aber nach ein paar Stunden in der gewohnten Umgebung befiel mich wieder diese gewisse Beklommenheit, die ich immerzu verspürte, sobald ich die kleine Wohnung betrat.
Ich freute mich schon riesig auf die Arbeit am nächsten Tag und hoffte, die Nacht möge schnell vorübergehen.
Kaum das Rescue Centre betreten, stieg eine unheimliche Freude in mir auf und meine Kollegen waren überrascht, mich so aufgedreht zu erleben. Ich war bis dahin eigentlich eher ruhig gewesen und im Hintergrund geblieben.
Dass ich einmal als ruhig und zurückhaltend beschrieben werde, hätte ich mir vor Kenia nicht gedacht. Hier aber war ich aufgrund der vielen neuen Eindrücke permanent mit Schauen und Hören und Überlegen und Verarbeiten beschäftigt. Ich war auch in einer völlig neuen Gesellschaft gelandet, hier hatte nicht ich mir die Leute ausgesucht, mit denen ich etwas mache, und so war ich am Beginn eher verschlossen, da ich nicht wusste, ob und welche dieser Menschen vertrauenswürdig wären. Ich konnte auch an den Gesprächen oft nicht teilnehmen, da meine Kiswahilikenntnisse nicht ausreichend waren, und so schweifte ich oft ab und ließ mich von meinen Gedanken treiben, sobald eine hitzige Diskussion über Politik oder Sekten (die zwei Lieblingsthemen meiner Kollegen) entbrannte. Schnell aber erkannte ich die unglaubliche Gastfreundschaft dieser Menschen und hatte bald meine diversen "Mamis" unter den Sozialarbeiterinnen. So taute ich nach einiger Zeit auf und habe mittlerweile unheimlich gute Freundschaften geschlossen. Auch mit dem Kiswahili wird's immer besser, ich verstehe schon den Großteil der Dinge, die mit mir geredet werden, das Antworten klappt noch nicht so ganz, aber es wird.
Die Woche verging schnell und ohne große Zwischenfälle. Ich fühlte mich nun sicherer im Unterrichten und wusste über den Stand meiner Schüler Bescheid. Ich wurde strenger im Unterricht, da mich die Kinder oft zur Weißglut trieben. Sie hatten erkannt, dass ich ihnen wohl mehr durchgehen lassen würde, als die anderen Lehrer und waren fleißig daran, ihre Grenzen auszutesten, wie Kinder das nun mal so machen. Ordentlich auf den Tisch zu hauen hatte meistens aber eine erstaunlich große Wirkung. Es war verständlicherweise am Beginn nicht so einfach für meine Schüler, zu verstehen, dass ich am Vormittag Disziplin fordernder Lehrer und am Nachmittag blödelnder Spielkamerad bin.
Am Wochenende (19. - 22. September) kam mich Irene besuchen. Wir verbrachten ein paar echt tolle Tage zusammen. Angesteckt von ihrer Begeisterung von Eldoret fing auch ich an, die Stadt viel netter und liebenswürdiger zu finden.
Ich hatte bis dato immer nur kleine Ausflüge in Richtung Stadt gemacht, da meine Gasteltern, wann immer ich etwas brauchte, darauf bestanden, mich mit dem Auto dorthin zu bringen. Oft machte ich mich daher nach der Arbeit noch auf, meine Umgebung etwas zu erkunden, ich kam aber nie recht weit, da ich immer zu Fuß ging und es um 19 Uhr stockfinster ist hier. Die Matatus (Kleinbusse für theoretisch 14 und praktisch 24 Personen - die Afrikaner vollbringen immer wieder kleine Menschenstapel-Wunder) waren mir zu dieser Zeit noch nicht ganz geheuer.
Jetzt aber kam Irene und ich wollte ihr natürlich die Stadt zeigen können, also fasste ich mir ein Herz, und stürzte mich raus aus einem Matatu, das ich mit einem etwas mulmigen Gefühl bestiegen hatte, mitten ins Stadtgetümmel. Schnell wurde mir klar, dass die Orientierung in der Stadt eigentlich sehr einfach ist, und entdeckte viele nette kleine Läden.
Die Woche danach ist in meinen Erinnerungen irgendwie verlorengegangen, sie verging viel zu schnell. Generell erlebte ich immer wieder kleine Erfolge in der Schule und mit den Kindern, ich war nun voll eingebunden in meine Arbeit.
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